Wandern in Graubünden: Die 7 schönsten Routen im grössten Schweizer Kanton

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Wandern in Graubünden zählt zu den schönsten Erlebnissen, die die Schweiz zu bieten hat – und das aus gutem Grund. Der Kanton der 150 Täler vereint majestätische Bergpanoramen, türkisblaue Seen, blühende Alpwiesen und ein dichtes Netz von über 11.000 Kilometern markierter Wanderwege. Ob du einen gemächlichen Spaziergang am Seeufer oder eine anspruchsvolle Hochtour planst: Graubünden hält für jeden Wandertyp die passende Route bereit. In diesem Artikel stellen wir dir die 9 schönsten Wanderungen vor – mit allen wichtigen Infos zu Distanz, Höhenmetern, Schwierigkeit, Startpunkten und Anreise.

Warum Wandern in Graubünden so besonders ist

Graubünden ist der grösste Schweizer Kanton und gleichzeitig einer der am dünnsten besiedelten. Das bedeutet: Weite, Stille und unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Drei Sprachen werden hier gesprochen – Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch – was dem Kanton eine besondere kulturelle Tiefe verleiht. Die Wandersaison dauert in den meisten Regionen von Mitte Juni bis Mitte Oktober, in tieferen Lagen auch etwas länger.

Ein weiterer Pluspunkt: Das öffentliche Verkehrsnetz ist hervorragend. Mit dem Glacier Express, dem Bernina Express oder den regionalen Busbetrieben erreichst du selbst abgelegene Täler bequem ohne Auto.

1. Engadin Höhenweg – Panorama über dem Oberengadin

Eckdaten

  • Distanz: 120 km gesamt, Tagesetappen ca. 15–22 km
  • Höhenmeter: ca. 800–1200 m Aufstieg/Abstieg pro Etappe
  • Schwierigkeitsgrad: T2–T3 (mittel bis anspruchsvoll)
  • Startpunkt: Bahnhof Zuoz (Engadin)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Engadin Höhenweg führt von Zuoz bis Maloja auf rund 120 Kilometern durch das Herz des Oberengadins. Die Etappenwanderung lässt sich in 6 bis 8 Tagesetappen aufteilen. Besonders eindrücklich ist der Blick auf die Seenplatte des Oberengadins mit dem Silvaplanasee, Silsersee und Silser See. An klaren Tagen ist selbst der Piz Bernina (4049 m) sichtbar.

Anreise von Zürich

Mit dem direkten Glacier Express oder über die RhB via Chur und St. Moritz. Fahrzeit ab Zürich HB: ca. 3 Stunden 30 Minuten. Preis ab Zürich: CHF 58.– (2. Klasse, Halbtax). Mit Swiss Travel Pass kostenlos.

Unterkunft

Entlang des Weges finden sich Berghotels, Pensionen und SAC-Hütten. Übernachtung in SAC-Hütten ab CHF 45.– (Mitglieder) bzw. CHF 65.– (Nichtmitglieder) inkl. Halbpension. Hotels in Zuoz oder St. Moritz ab CHF 120.– pro Nacht.

2. Via Engiadina – Kulturelles Wandern im Unterengadin

Eckdaten

  • Distanz: 90 km gesamt
  • Höhenmeter: 500–900 m pro Etappe
  • Schwierigkeitsgrad: T2 (mittel)
  • Startpunkt: Scuol (RhB ab Chur)
  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

Die Via Engiadina verbindet die alten Dörfer des Unterengadins und begeistert mit prächtigen Sgraffito-Häusern, romanischen Kirchen und rätoromanischen Ortsnamen. Wer hier wandert, taucht in eine Kultur ein, die in der restlichen Schweiz kaum noch so lebendig ist.

Anreise von Zürich

Mit der RhB bis Scuol-Tarasp. Fahrzeit: ca. 3 Stunden 45 Minuten. Mit Swiss Travel Pass gratis nutzbar. Preis ohne Pass ab CHF 64.– (Halbtax).

Highlights unterwegs

Besonders sehenswert: das Engadiner Museum in Zuoz, das Kloster St. Johann in Müstair (UNESCO-Welterbe) und die wildromantische Schlucht des Inn. Im Juli blühen entlang des Weges wilde Enziane, Arnika und Edelweiss.

3. Piz Nair – Höhenwanderung über St. Moritz

Eckdaten

  • Distanz: 12 km Rundtour ab Bergstation Corvatsch
  • Höhenmeter: 650 m Aufstieg, 650 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3 (anspruchsvoll)
  • Startpunkt: Bergstation Corvatsch (Gondel ab Surlej)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Piz Nair (3057 m ü. M.) ist das Hausberg-Massiv von St. Moritz und bietet bei guter Sicht ein atemberaubendes Panorama auf über 100 Gipfel. Der Aufstieg lohnt sich besonders bei stabilen Hochdruckwetterlagen.

Kosten und Anreise

Gondelfahrt Surlej–Corvatsch: CHF 38.– Hin- und Rückfahrt (Erwachsene). Mit dem Swiss Travel Pass 50% Rabatt. Anreise von Zürich nach St. Moritz: ca. 3 Stunden mit RhB, CHF 52.– (Halbtax). Tipp: Früh starten – Gondel ab 8:30 Uhr, nachmittags drohen im Sommer Gewitter.

4. Albula-Pass – Historischer Alpenübergang

Eckdaten

  • Distanz: 18 km (Preda bis La Punt)
  • Höhenmeter: 900 m Aufstieg, 1200 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3
  • Startpunkt: Bahnhof Preda (RhB-Haltestelle)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Albula-Pass (2312 m) verbindet das Albulatal mit dem Oberengadin und ist Teil einer historischen Handelsroute. Die Wanderung bietet faszinierende Ausblicke auf die UNESCO-geschützte Rhätische Bahn und die einzigartigen Viadukte der Albulalinie.

Anreise von Zürich

Zug ab Zürich HB nach Chur (1 h), weiter mit RhB nach Preda (ca. 1 h 15 min). Gesamtfahrzeit: 2 Stunden 15 Minuten. Der Weg endet in La Punt, von wo die RhB direkt nach St. Moritz oder zurück nach Chur fährt.

5. Arosa Höhenweg – Blumenparadies über Chur

Eckdaten

  • Distanz: 21 km (Arosa–Lenzerheide)
  • Höhenmeter: 800 m Aufstieg, 900 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3
  • Startpunkt: Arosa Dorf (RhB ab Chur)
  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

Der Arosa Höhenweg verbindet Arosa mit Lenzerheide auf einem spektakulären Grat und führt durch ein botanisches Eldorado. Alpenrosen blühen im Juni in leuchtendem Pink, während klare Bergseen den Weg säumen.

Anreise von Zürich

Zug nach Chur (1 h 10 min), RhB nach Arosa (1 h). Gesamtfahrzeit: ca. 2 Stunden 10 Minuten. Preis ab Zürich: CHF 46.– (Halbtax). In Arosa: Alternative Auffahrt mit Gondel zum Weisshorn (2653 m) für CHF 28.– Hin- und Rückfahrt.

6. Flims – Caumasee und Rheinschlucht

Eckdaten

  • Distanz: 16 km Rundtour Flims–Caumasee–Ruinaulta–Ilanz
  • Höhenmeter: 400 m Aufstieg, 700 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T2
  • Startpunkt: Flims Dorf (Postauto ab Chur)
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober

Der türkisblaue Caumasee bei Flims ist ein Naturwunder: Das stille Gewässer liegt eingebettet in Wälder und entfaltet eine fast karibische Wirkung. Eintritt: CHF 6.– (Erwachsene), Wassertemperatur im Sommer 20–22 Grad. Die Wanderung weiter durch die Rheinschlucht (Ruinaulta) – den Schweizer Grand Canyon – ist unvergesslich.

Anreise von Zürich

Zug nach Chur, dann Postauto nach Flims. Gesamtfahrzeit: ca. 1 Stunde 45 Minuten. Preis: CHF 36.– (Halbtax). Ende der Wanderung in Ilanz, von wo der Zug zurück nach Chur fährt.

7. Davos – Schatzalp und Strelapass

Eckdaten

  • Distanz: 14 km (Davos Dorf–Schatzalp–Strelapass–Arosa)
  • Höhenmeter: 900 m Aufstieg, 600 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T2–T3
  • Startpunkt: Davos Dorf Bahnhof
  • Beste Zeit: Juli bis Oktober

Die Schatzalp über Davos ist bekannt durch Thomas Manns „Zauberberg“ – und auch heute noch beeindruckt der Blick auf die verschachtelte Kurstadt in ihrer grandiosen Bergkulisse. Der Botanische Garten Schatzalp mit über 800 Pflanzenarten ist gratis zugänglich.

Anreise von Zürich

Direktzug ab Zürich HB nach Davos Platz: ca. 2 Stunden 15 Minuten. Preis: CHF 44.– (Halbtax). Von Davos Dorf fährt eine historische Standseilbahn zur Schatzalp: CHF 10.– einfach (Erwachsene).

8. Müstair und Ofenpass – Eingang zum Nationalpark

Eckdaten

  • Distanz: 22 km (Zernez–Ofenpass–Müstair)
  • Höhenmeter: 1100 m Aufstieg, 1400 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3
  • Startpunkt: Zernez (RhB)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Das Val Müstair liegt am südlichsten Zipfel Graubündens und grenzt an Südtirol. Der Weg über den Ofenpass (2149 m) führt durch den Schweizerischen Nationalpark – einen der wenigen Orte in Europa, wo die Natur sich seit 1914 vollständig selbst überlassen wird. Steinböcke, Hirsche und Geier sind häufige Begleiter.

UNESCO-Welterbe Kloster St. Johann

In Müstair wartet das Kloster St. Johann mit karolingischen Fresken aus dem 9. Jahrhundert – ein Highlight für Kunstinteressierte. Eintritt: CHF 8.– Öffnungszeiten: täglich 9:00–17:00 Uhr.

9. Val Müstair – Verborgenes Tal an der Grenze

Eckdaten

  • Distanz: 18 km Rundtour (Müstair–Alp Mora–Chasa Barbarana)
  • Höhenmeter: 700 m Aufstieg, 700 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T2
  • Startpunkt: Müstair Dorf (Postauto ab Zernez)
  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

Das Val Müstair ist eines der am wenigsten bekannten Täler Graubündens – und genau das macht es so reizvoll. Rätoromanische Kultur, alte Bauernhöfe und einsame Bergweiden prägen die Landschaft. Das Restaurant Chasa Chalavaina serviert regionale Spezialitäten wie Bündner Gerstensuppe und Capuns ab CHF 22.–.

Praktische Tipps für deine Wanderung in Graubünden

Beste Jahreszeit

Die optimale Wandersaison ist von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Juli und August bieten stabile Wetterlagen und alle Bergbahnen in Betrieb. September und Oktober punkten mit ruhigeren Wegen und goldgelbem Lärchenwald – für viele die schönste Zeit des Jahres.

Öffentlicher Verkehr

Mit dem Swiss Travel Pass reist du gratis mit Zügen, Bussen und vielen Bergbahnen. Ein 7-Tage-Pass kostet ab CHF 303.– (2. Klasse). Die SBB Mobile App und SchweizMobil App zeigen Echtzeit-Verbindungen und Wanderrouten offline.

SAC-Hütten vs. Hotels

SAC-Hütten bieten einfache Bergunterkünfte mit Halbpension: CHF 45.– (Mitglieder) bis CHF 75.– (Nichtmitglieder). Reservation in der Hochsaison Wochen im Voraus per SAC-App oder Telefon. Hotels in Chur (ab CHF 90.–), Davos (ab CHF 120.–) oder St. Moritz (ab CHF 180.–) bieten mehr Komfort.

Ausrüstung und Sicherheit

Immer mitnehmen: feste Wanderschuhe, Regenjacke, Sonnenschutz SPF 50, genug Wasser (1,5–2 Liter), Energieriegel und vollgeladenes Smartphone. Notfallnummern: Polizei 117, Rettung 144, REGA 1414. Bergwetter täglich auf MeteoSchweiz.admin.ch prüfen.

FAQ – Wandern in Graubünden

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in Graubünden?

Die beste Wanderzeit ist von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Juli und August bieten die stabilsten Wetterbedingungen. September ist besonders schön für Herbstfarben – weniger Betrieb und günstigere Unterkünfte.

Welche Wanderungen in Graubünden sind für Anfänger geeignet?

Der Caumasee bei Flims (T2), die Via Engiadina (T2) und das Val Müstair (T2) eignen sich für Wanderanfänger mit Grundkondition. Feste Wanderschuhe sind immer Pflicht, auch auf einfachen Wegen.

Wie reise ich ohne Auto nach Graubünden?

Perfekt mit dem Zug: Ab Zürich HB erreichst du Chur in 1 Stunde 10 Minuten. Von Chur fährt die Rhätische Bahn (RhB) in alle grossen Täler. Postautos bedienen selbst entlegene Weiler – Graubünden ist das öV-freundlichste Wandergebiet der Schweiz.

Was kosten SAC-Hütten in Graubünden?

SAC-Mitglieder zahlen ca. CHF 45.– pro Nacht mit Halbpension, Nichtmitglieder ca. CHF 65.–. Reservation ist in der Hochsaison zwingend – idealerweise 4–6 Wochen im Voraus über die SAC-App oder per Telefon.

Welche App empfiehlst du für Wanderungen in Graubünden?

SchweizMobil (kostenlos) enthält alle offiziellen Wanderrouten mit Offline-Karten. Für GPS-Tracking und Höhenprofile ist Komoot (kostenlos mit In-App-Käufen) ideal. Die REGA-App ist kostenlos und sendet bei Notfall deinen GPS-Standort.

Darf ich in Graubünden wild zelten?

Wildes Zelten ist ausserhalb von Schutzgebieten für eine Nacht meist geduldet, wenn du keine Spuren hinterlässt. Im Schweizerischen Nationalpark ist es strikt verboten. Campingplätze in der Region kosten ab CHF 15.– pro Person und Nacht.

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Priscilla Schürch

Priscilla Schürch ist MLaw & Notarin aus Kriens (Kanton Luzern) und Gründerin von Switzerland Scenic. Als Einheimische der Zentralschweiz schreibt sie über Ausflüge, Wanderrouten und Reiseziele in der Schweiz – alle Empfehlungen basieren auf persönlicher Erfahrung.

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