Graubünden

Wandern in Graubünden: Die 7 schönsten Routen im grössten Schweizer Kanton

04. Juli 2026 · Graubünden

Image by hpgruesen from Pixabay

Wandern in Graubünden zählt zu den schönsten Erlebnissen, die die Schweiz zu bieten hat – und das aus gutem Grund. Der Kanton der 150 Täler vereint majestätische Bergpanoramen, türkisblaue Seen, blühende Alpwiesen und ein dichtes Netz von über 11.000 Kilometern markierter Wanderwege. Ob du einen gemächlichen Spaziergang am Seeufer oder eine anspruchsvolle Hochtour planst: Graubünden hält für jeden Wandertyp die passende Route bereit. In diesem Artikel stellen wir dir die 9 schönsten Wanderungen vor – mit allen wichtigen Infos zu Distanz, Höhenmetern, Schwierigkeit, Startpunkten und Anreise.

Warum Wandern in Graubünden so besonders ist

Graubünden ist der grösste Schweizer Kanton und gleichzeitig einer der am dünnsten besiedelten. Das bedeutet: Weite, Stille und unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Drei Sprachen werden hier gesprochen – Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch – was dem Kanton eine besondere kulturelle Tiefe verleiht. Die Wandersaison dauert in den meisten Regionen von Mitte Juni bis Mitte Oktober, in tieferen Lagen auch etwas länger. Touren und Aktivitäten können bequem vorab gebucht werden.

Ein weiterer Pluspunkt: Das öffentliche Verkehrsnetz ist hervorragend. Mit dem Glacier Express, dem Bernina Express oder den regionalen Busbetrieben erreichst du selbst abgelegene Täler bequem ohne Auto.

1. Engadin Höhenweg – Panorama über dem Oberengadin

Eckdaten

  • Distanz: 120 km gesamt, Tagesetappen ca. 15–22 km
  • Höhenmeter: ca. 800–1200 m Aufstieg/Abstieg pro Etappe
  • Schwierigkeitsgrad: T2–T3 (mittel bis anspruchsvoll)
  • Startpunkt: Bahnhof Zuoz (Engadin)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Engadin Höhenweg führt von Zuoz bis Maloja auf rund 120 Kilometern durch das Herz des Oberengadins. Die Etappenwanderung lässt sich in 6 bis 8 Tagesetappen aufteilen. Besonders eindrücklich ist der Blick auf die Seenplatte des Oberengadins mit dem Silvaplanasee, Silsersee und Silser See. An klaren Tagen ist selbst der Piz Bernina (4049 m) sichtbar.

Anreise von Zürich

Mit dem direkten Glacier Express oder über die RhB via Chur und St. Moritz. Fahrzeit ab Zürich HB: ca. 3 Stunden 30 Minuten. Preis ab Zürich: CHF 58.– (2. Klasse, Halbtax). Mit Swiss Travel Pass kostenlos.

Unterkunft

Entlang des Weges finden sich Berghotels, Pensionen und SAC-Hütten. Übernachtung in SAC-Hütten ab CHF 45.– (Mitglieder) bzw. CHF 65.– (Nichtmitglieder) inkl. Halbpension. Hotels in Zuoz oder St. Moritz ab CHF 120.– pro Nacht.

2. Via Engiadina – Kulturelles Wandern im Unterengadin

Eckdaten

  • Distanz: 90 km gesamt
  • Höhenmeter: 500–900 m pro Etappe
  • Schwierigkeitsgrad: T2 (mittel)
  • Startpunkt: Scuol (RhB ab Chur)
  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

Die Via Engiadina verbindet die alten Dörfer des Unterengadins und begeistert mit prächtigen Sgraffito-Häusern, romanischen Kirchen und rätoromanischen Ortsnamen. Wer hier wandert, taucht in eine Kultur ein, die in der restlichen Schweiz kaum noch so lebendig ist.

Anreise von Zürich

Mit der RhB bis Scuol-Tarasp. Fahrzeit: ca. 3 Stunden 45 Minuten. Mit Swiss Travel Pass gratis nutzbar. Preis ohne Pass ab CHF 64.– (Halbtax).

Highlights unterwegs

Besonders sehenswert: das Engadiner Museum in Zuoz, das Kloster St. Johann in Müstair (UNESCO-Welterbe) und die wildromantische Schlucht des Inn. Im Juli blühen entlang des Weges wilde Enziane, Arnika und Edelweiss.

3. Piz Nair – Höhenwanderung über St. Moritz

Eckdaten

  • Distanz: 12 km Rundtour ab Bergstation Corvatsch
  • Höhenmeter: 650 m Aufstieg, 650 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3 (anspruchsvoll)
  • Startpunkt: Bergstation Corvatsch (Gondel ab Surlej)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Piz Nair (3057 m ü. M.) ist das Hausberg-Massiv von St. Moritz und bietet bei guter Sicht ein atemberaubendes Panorama auf über 100 Gipfel. Der Aufstieg lohnt sich besonders bei stabilen Hochdruckwetterlagen.

Kosten und Anreise

Gondelfahrt Surlej–Corvatsch: CHF 38.– Hin- und Rückfahrt (Erwachsene). Mit dem Swiss Travel Pass 50% Rabatt. Anreise von Zürich nach St. Moritz: ca. 3 Stunden mit RhB, CHF 52.– (Halbtax). Tipp: Früh starten – Gondel ab 8:30 Uhr, nachmittags drohen im Sommer Gewitter.

4. Albula-Pass – Historischer Alpenübergang

Eckdaten

  • Distanz: 18 km (Preda bis La Punt)
  • Höhenmeter: 900 m Aufstieg, 1200 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3
  • Startpunkt: Bahnhof Preda (RhB-Haltestelle)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Albula-Pass (2312 m) verbindet das Albulatal mit dem Oberengadin und ist Teil einer historischen Handelsroute. Die Wanderung bietet faszinierende Ausblicke auf die UNESCO-geschützte Rhätische Bahn und die einzigartigen Viadukte der Albulalinie.

Anreise von Zürich

Zug ab Zürich HB nach Chur (1 h), weiter mit RhB nach Preda (ca. 1 h 15 min). Gesamtfahrzeit: 2 Stunden 15 Minuten. Der Weg endet in La Punt, von wo die RhB direkt nach St. Moritz oder zurück nach Chur fährt.

5. Arosa Höhenweg – Blumenparadies über Chur

Eckdaten

  • Distanz: 21 km (Arosa–Lenzerheide)
  • Höhenmeter: 800 m Aufstieg, 900 m Abstieg
  • Schwierigkeitsgrad: T3
  • Startpunkt: Bahnhof Arosa (Endstation der Arosabahn)
  • Beste Zeit: Juli bis September

Der Arosa Höhenweg verläuft grösstenteils oberhalb der Waldgrenze und bietet den ganzen Weg über freie Sicht auf die Bündner Bergwelt. Wer im Hochsommer unterwegs ist, wandert durch dichte Blumenwiesen, in denen Alpenrosen, Trollblumen und Enzian um die Wette blühen. Der Höhenweg gilt unter Kennern als einer der schönsten Bergwanderwege der Ostschweiz, weil er anspruchsvoll genug ist, um Substanz zu bieten, ohne dabei technisch schwierig zu sein.

Anreise und Zeitbedarf

Arosa ist mit der Rhätischen Bahn direkt ab Chur erreichbar, die Fahrt dauert rund eine Stunde und führt bereits selbst über spektakuläre Viadukte. Für die gesamte Strecke nach Lenzerheide solltest du einen vollen Tag einplanen, mit Pausen eher sieben bis acht Stunden. Wer es kürzer mag, wandert nur bis zur Alp Prätschli oder zum Hörnli und kehrt von dort mit der Bahn zurück. Von Lenzerheide aus bringt dich das Postauto wieder zurück nach Chur.

6. Val Roseg – Das autofreie Gletschertal bei Pontresina

Eckdaten

  • Gehzeit: rund 3 bis 4 Stunden für Hin- und Rückweg
  • Schwierigkeitsgrad: leicht (T1), auch für Familien geeignet
  • Startpunkt: Bahnhof Pontresina
  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

Wer nach den anspruchsvolleren Höhenwegen eine Erholung sucht, findet sie im Val Roseg. Das Tal ist für den motorisierten Verkehr gesperrt, weshalb hier eine fast andächtige Ruhe herrscht, unterbrochen höchstens vom Geläut der Kuhglocken oder dem Klappern der Pferdekutschen, die Besucher bis zum Hotel Roseg bringen. Der breite Kieselweg entlang des Gletscherbachs eignet sich auch für Kinderwagen und ist damit eine der wenigen Bündner Routen, die wirklich für die ganze Familie funktionieren. Am Ende des Tals öffnet sich der Blick auf die vergletscherten Nordwände der Sellagruppe, auch wenn der Vadret da Roseg selbst in den letzten Jahrzehnten spürbar zurückgegangen ist. Wer die Kutsche meidet und zu Fuss geht, hat den Weg oft fast für sich allein, während die Kutschen tagsüber gut gebucht sind.

Anreise

Ab dem Bahnhof Pontresina führt der Weg zu Fuss direkt ins Tal, eine Anfahrt mit dem eigenen Auto ist nicht möglich und auch nicht nötig.

7. Caumasee und Flimser Bergseen – Türkise Idylle im Vorderrheintal

Eckdaten

  • Gehzeit: rund 1,5 bis 2 Stunden für den Rundweg
  • Schwierigkeitsgrad: leicht (T1)
  • Startpunkt: Parkplatz Cauma oder Dorfzentrum Flims
  • Beste Zeit: Mai bis Oktober

Der Caumasee ist mittlerweile so bekannt, dass er im Hochsommer zu den am stärksten besuchten Ausflugszielen Graubündens zählt, was viele Ortskundige inzwischen eher meiden. Wer trotzdem hin will, kommt am besten früh morgens oder in der Nebensaison, dann hat das türkise Wasser dieselbe Farbe wie auf den Fotos, aber ohne das Gedränge am Ufer. Der Rundweg um den See ist kurz und flach, lässt sich aber gut mit einer Weiterwanderung zu den anderen Flimser Bergseen wie dem Crestasee oder dem Lag la Cauma verbinden. Spannender als der See selbst ist für viele der Blick von den umliegenden Aussichtspunkten in die Ruinaulta, die sogenannte Rheinschlucht, die zu Recht als Grand Canyon der Schweiz bezeichnet wird.

Anreise

Von Chur aus fährt ein Bus direkt nach Flims, von dort ist der Caumasee auch zu Fuss über einen beschilderten Waldweg erreichbar. Mit dem Auto gibt es einen Parkplatz direkt am See, der an schönen Sommertagen aber schnell an seine Kapazitätsgrenzen stösst.

Wanderwegkategorien in Graubünden richtig einschätzen

Die Schweizer Wanderwege werden nach der SAC-Skala in T1 bis T6 eingeteilt. T1 bezeichnet einen gut ausgebauten Wanderweg ohne besondere Anforderungen, T2 verlangt bereits etwas Trittsicherheit, und ab T3 wird gelegentlich Gelände mit Absturzgefahr und ausgesetzten Passagen gequert, wofür Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt werden. Wer neu in Graubünden unterwegs ist, unterschätzt diese Einteilung oft, weil die Wege gut markiert und die Beschilderung vorbildlich ist. Das täuscht darüber hinweg, dass ein T3-Weg bei Nässe oder Nebel deutlich anspruchsvoller wird als bei trockenem Wetter und guter Sicht.

Typische Fehler beim Wandern in Graubünden

Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Distanzen zwischen den Tälern. Was auf der Karte nah aussieht, kann wegen der Topografie einen ganzen Tag Wanderzeit bedeuten. Ebenso oft wird die Wetterlage in den Nachmittagsstunden unterschätzt: Im Hochsommer bilden sich über den Bündner Gipfeln regelmässig Gewitter, weshalb erfahrene Wanderer früh starten und exponierte Grate am frühen Nachmittag bereits hinter sich gelassen haben. Wer zum ersten Mal in der Region unterwegs ist, plant zudem oft zu wenig Reservezeit für die letzte Bahn oder das letzte Postauto ein, was auf abgelegenen Routen wie dem Albula-Pass zu einem echten Problem werden kann.

Ausrüstung für Bündner Bergtouren

Feste, eingelaufene Wanderschuhe mit gutem Profil sind auf den meisten hier vorgestellten Routen Pflicht, sobald es über T2 hinausgeht. Auch im Sommer gehören eine leichte, wasserdichte Jacke sowie Wanderstöcke bei den steileren Höhenwegen ins Gepäck, dazu ausreichend Sonnenschutz, weil die Sonneneinstrahlung in dieser Höhe deutlich stärker ist als im Flachland. Für Mehrtagestouren wie den Engadin Höhenweg lohnt sich eine gute Wanderkarte im Massstab 1:25.000, da nicht überall verlässlicher Mobilfunkempfang vorhanden ist.

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