Zermatt und Matterhorn: Reiseführer, Tipps und die besten Aussichtspunkte
Zermatt und das Matterhorn gehören zu den bekanntesten Reisezielen der Welt — und trotzdem überrascht das Wallis-Dorf viele Besucher. Das autofreie Dorf auf 1620 m Höhe ist mehr als nur ein Instagram-Spot: Es ist ein Ausgangspunkt für einige der spektakulärsten Wanderungen der Alpen, für Gletschererlebnisse auf fast 4000 m und für eines der schönsten Bergpanoramen Europas. In diesem Zermatt Reiseführer erfährst du alles, was du für deinen Besuch wissen musst — Anreise, Aussichtspunkte, Wanderungen, Kosten und die besten Tipps für jeden Reisetyp.
Warum Zermatt? Das Matterhorn als Ikone
Das Matterhorn (4478 m) ist wahrscheinlich der fotografierteste Berg der Welt. Seine perfekte Pyramidenform, allein stehend über dem Dorf, macht es einzigartig. Aber Zermatt ist nicht nur das Matterhorn — das Gebiet bietet Zugang zu 38 Viertausendern, über 360 km Wanderwege, das höchste ganzjährig geöffnete Skigebiet Europas und eine lebhafte Dorfkultur, die trotz Massentourismus ihren alpinen Charakter bewahrt hat. Unterkünfte für deinen Aufenthalt lassen sich einfach online buchen.
Der Hauptplatz mit der alten Pfarrkirche, die Bahnhofstrasse mit Holzhäusern aus dem 17. Jahrhundert und der quirlige Marktplatz — Zermatt ist kein reines Transitdorf. Es lohnt sich, mindestens zwei Nächte zu bleiben.
Anreise nach Zermatt: Kein Auto erlaubt
Zermatt ist das grösste autofreie Ferienresort der Schweiz. Fahrzeuge müssen in Täsch (1450 m) auf dem Parkplatz am Bahnhof abgestellt werden. Von dort fährt der Matterhorn-Express im dichten Takt nach Zermatt, die Fahrt dauert nur wenige Minuten.
Mit dem Zug
- Ab Zürich HB: Via Visp oder Brig — direkter Zug bis Visp, dann Umstieg auf die Matterhorn Gotthard Bahn
- Ab Bern: Via Visp
- Ab Genf: Via Visp
- Ab Mailand (Milano Centrale): Via Brig (Simplontunnel) — tolle Kombination mit Norditalien-Reise
Tipp: Mit dem Swiss Travel Pass oder GA fährst du bis Zermatt ohne Aufpreis. Der Matterhorn-Express ab Täsch ist im STP/GA enthalten.
Mit dem Auto
Fahrt bis Täsch, Parkhaus Matterhorn Terminal Täsch. Für einen längeren Aufenthalt wird das Parkieren schnell teuer — die Bahn ist komfortabler und meist auch günstiger.
Die besten Aussichtspunkte in Zermatt
Die Frage ist nicht ob du das Matterhorn sehen wirst — es ist fast von überall sichtbar — sondern wie und von wo. Hier sind die besten Perspektiven:
Gornergletscher & Riffelsee: Das klassische Spiegelbild
Das Foto mit dem Matterhorn, das sich im Riffelsee spiegelt, ist eine der ikonischsten Aufnahmen der Schweiz. Der Riffelsee liegt oberhalb von Riffelberg, erreichbar mit der Gornergratbahn bis zur gleichnamigen Station, dann ein kurzer Fussweg bergauf. Wichtig: Das Spiegelbild funktioniert nur bei absolutem Windstillen — früh morgens oder nach dem Regen. Hochsommer-Tage mit Wind ergeben kein Spiegelbild.
Gornergrat (3089 m): Der Panorama-Klassiker
Die Gornergratbahn, seit über hundert Jahren in Betrieb, ist die höchste Freiluft-Zahnradbahn Europas. Von der Endstation schaust du auf den Gornergletscher (zweitgrösster Gletscher der Alpen), den Monte Rosa (4634 m, höchster Berg der Schweiz) und natürlich das Matterhorn.
- Mit GA/Swiss Travel Pass gibt es eine deutliche Ermässigung auf den Fahrpreis
- Für das beste Morgenlicht solltest du eine der ersten Bahnen nehmen
- Tipp: Rauf mit der Bahn, runter zu Fuss bis Riffelberg oder Riffelalp, ein wunderschöner Abstieg mittlerer Schwierigkeit
Matterhorn Glacier Paradise (3883 m): Der höchste Aussichtspunkt
Mit der Matterhorn glacier paradise Seilbahn kommst du auf den höchsten Kabinenbahn-Aussichtspunkt der Alpen. Ganzjährig geöffnet, Blick auf Frankreich, Italien und die gesamten Westalpen. Unbedingt warme Kleidung einpacken, auch im Sommer kann es oben eisig kalt und windig sein.
Im Gletscherpalast kannst du das Innere des Gletschers besichtigen, der Zugang ist im Seilbahnticket enthalten.
Schwarzsee (2583 m): Matterhorn zum Anfassen
Der Schwarzsee liegt direkt am Fuss des Matterhorns — so nah, dass es fast unwirklich wirkt. Per Luftseilbahn oder zu Fuss ab Zermatt erreichbar. Am See gibt es eine kleine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, ein wunderschöner Fotospot.
Zermatt Dorf: Kostenlos und unterschätzt
Vom Kirchplatz und von der alten Holzbrücke über die Vispa ist das Matterhorn ohne jede Seilbahn perfekt zu sehen. Abends, wenn die Abendsonne auf die Felsen trifft, entstehen hier die spektakulärsten Fotos — kostenlos.
Wanderungen rund um Zermatt
Fünf-Seen-Wanderung (★★★★★)
Die bekannteste Wanderung im Gebiet führt an fünf Bergseen mit Matterhorn-Spiegelung vorbei: Stellisee, Grindjisee, Grünsee, Moosjisee und Leisee.
- Schwierigkeit: mittel (T2)
- Start: Blauherd, per Seilbahn ab Zermatt erreichbar
- Ende: Zermatt Dorf, Abstieg über Sunnegga
- Beste Zeit: Sommer bis Herbst, früh morgens für ruhige, spiegelglatte Seen
Höhbalmenweg: Der Geheimtipp mit Gletscherblick
Wer dem Trubel rund um Gornergrat und Fünf-Seen-Weg entgehen will, findet auf dem Höhbalmenweg oberhalb von Zmutt und Zermatt ein deutlich ruhigeres Alternativprogramm. Der Weg führt entlang der Talflanke mit Blick auf den Zmuttgletscher und die Ostwand des Matterhorns, die von hier aus ganz anders wirkt als das bekannte Pyramidenmotiv aus dem Dorf. Gerade weil dieser Weg technisch anspruchsvoller und länger ist als die Klassiker, triffst du hier oft kaum andere Wanderer, selbst in der Hauptsaison. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind Voraussetzung, an einzelnen Stellen sichern Ketten den Weg entlang steilerer Passagen.
Beste Reisezeit und was du einplanen solltest
Der Hochsommer bringt die stabilsten Bedingungen für Bergtouren, gleichzeitig aber auch die grössten Menschenmengen auf Gornergrat und an den Spiegelseen. Wer Ruhe sucht, kommt besser im späten Frühling oder frühen Herbst, wenn die Bahnen bereits beziehungsweise noch fahren, aber die Wege leerer sind. Der Winter verwandelt Zermatt in ein Skigebiet, das Matterhorn glacier paradise bleibt dann der einzige Zugang zu den Hochlagen, während viele Wanderwege im Tal geschlossen sind.
Für einen ersten Besuch reicht ein Tag, um Gornergrat oder Matterhorn glacier paradise zu sehen. Wer wandern will, sollte mindestens zwei, besser drei volle Tage einplanen, denn die Bahnfahrten zu den Ausgangspunkten kosten selbst Zeit, und das Wetter im Hochgebirge kann kurzfristig umschlagen, sodass ein Pufferttag sinnvoll ist.
Typische Fehler und was oft überschätzt wird
Viele Tagesgäste fahren direkt mit der ersten Bahn auf den Gornergrat, ohne zu wissen, dass an bewölkten Tagen dort oben oft dichter Nebel liegt, während das Dorf oder tiefere Aussichtspunkte wie der Schwarzsee freie Sicht bieten. Ein Blick auf die Live-Webcams der Bergbahnen vor der Abfahrt spart Enttäuschung und Geld.
Der Riffelsee wird in den sozialen Medien oft als garantierter Spiegelsee dargestellt, tatsächlich ist die perfekte spiegelglatte Wasseroberfläche eher die Ausnahme als die Regel. Wer das berühmte Foto will, sollte mehrere Anläufe an unterschiedlichen Tagen einplanen und nicht auf einen einzigen Besuch hoffen.
Unterschätzt wird oft der Spaziergang durchs Dorf selbst. Viele Besucher hetzen direkt zu den Bergbahnen und übersehen die alten Speicherbauten im Ortsteil Zermatt und die ruhigeren Gassen abseits der Bahnhofstrasse, wo das ursprüngliche Walliser Bergdorf noch spürbar ist.
Zur Geschichte: Die Erstbesteigung des Matterhorns
Das Matterhorn war lange als unbezwingbar gegolten, bis der Brite Edward Whymper es mit seiner Seilschaft über den Hörnligrat erstbestieg. Der Abstieg endete in einer Tragödie, mehrere Mitglieder der Seilschaft stürzten ab. Diese Geschichte ist bis heute im Dorf präsent, etwa im Matterhorn Museum am Kirchplatz, das Ausrüstung und Dokumente aus jener Zeit zeigt und einen guten Regentag-Programmpunkt darstellt.
Touren und Aktivitäten vor Ort
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