Ausflüge & Aktivitäten

Panoramazüge Schweiz: Routen abseits von Glacier und Bernina

17. Oktober 2026 · Ausflüge & Aktivitäten

Der Glacier Express und der Bernina Express ziehen im Sommer so viele Reisende an, dass sich auf den Perrons von Zermatt und St. Moritz lange Schlangen bilden und die Panoramawagen Wochen im Voraus ausgebucht sind. Dabei besitzt die Schweiz ein dichtes Netz an Strecken, die landschaftlich nicht weniger zu bieten haben, aber deutlich entspannter zu bereisen sind. Einige davon sind normale Interregio-Verbindungen ohne Zuschlag, andere kombinieren Schiff und Bahn oder wechseln unterwegs die Spurweite. Wer diese Routen kennt, kann auch an einem vollen Augusttag noch spontan einen Fensterplatz finden.

GoldenPass Express: Vom Genfersee ins Berner Oberland ohne Umsteigen

Die Verbindung zwischen Montreux und Interlaken galt lange als Flickenteppich aus mehreren Zügen mit Umsteigezwang in Zweisimmen, weil dort die Meterspur der MOB auf die Normalspur der BLS trifft. Mit dem GoldenPass Express entfällt dieser Bruch: Eine Spurwechseltechnik tauscht die Drehgestelle unter den Wagen, während die Fahrgäste sitzen bleiben. So reist du ohne Umsteigen von den Weinterrassen oberhalb von Vevey durch das Pays-d’Enhaut nach Gstaad, weiter über Zweisimmen und Spiez an den Thunersee bis nach Interlaken Ost.

Landschaftlich am eindrücklichsten ist der Abschnitt zwischen Rougemont und Gstaad, wo sich das Tal verengt und die Flanken des Videmanette-Massivs fast bis an die Gleise heranschieben. Die charakteristischen Panoramawagen mit den hochgezogenen Glaskuppeln sind reservierungspflichtig und bei schönem Wetter rasch ausgebucht, besonders an Wochenenden im Hochsommer und während der Herbstfärbung. Wer spontan unterwegs ist, kann die Strecke auch in den regulären Zügen der Linie fahren, verzichtet dann aber auf die grossen Fensterflächen nach oben.

Voralpen-Express: Unkompliziert quer durch die Deutschschweiz

Zwischen Luzern und St. Gallen verkehrt mit dem Voralpen-Express die wohl bodenständigste Panoramaverbindung des Landes. Es handelt sich um einen ganz normalen Interregio-Zug, für den ein reguläres Bahnbillett oder das Halbtax genügt. Reservierung ist nicht nötig, was ihn zur spontansten Option unter den hier vorgestellten Strecken macht.

Die Route führt über Wolfhausen durch das Zürcher Oberland nach Rapperswil, wo der Zug den Obersee auf dem Seedamm überquert. An klaren Tagen reicht der Blick von dort bis zu den Glarner Alpen, ein Moment, der viele Fahrgäste überrascht, weil sie ihn bei einem Regionalzug nicht erwartet hätten. Weiter geht es über Uznach und Wil bis St. Gallen. Wer den besten Blick will, setzt sich in Luzern früh auf die rechte Seite in Fahrtrichtung, die linke zeigt über weite Strecken nur Hügelland und Gewerbegebiete.

Luzern-Interlaken Express: Über den Brünigpass mit Zahnrad

Diese Verbindung gehört zu den wenigen Normalspur-Strecken der Schweiz, die unterwegs auf Zahnradunterstützung angewiesen sind, um die Steigung am Brünigpass zu bewältigen. Von Luzern führt die Strecke über Giswil hinauf zur Passhöhe, von wo sich der Blick erst auf den Sarnersee, dann auf den Brienzersee öffnet, bevor der Zug in Interlaken Ost endet.

Ein Zwischenhalt in Brienz lohnt sich, sei es für einen Spaziergang am See oder einen Blick in die dortige Geigenbauschule, die im Dorf eine gewisse Tradition hat. Im Vergleich zu den Hochalpenstrecken wirkt der Brünig fast bescheiden, gerade das macht die Fahrt angenehm: keine Menschenmassen, keine Reservierungshektik, dafür ein ruhiges Auf und Ab zwischen zwei Seen.

Gotthard Panorama Express und Wilhelm Tell Express: Schiff trifft historische Bergstrecke

Beide Angebote verbinden eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee mit einer Zugfahrt über die alte Gotthardbergstrecke und verkehren saisonal zwischen Frühling und Herbst. Ab Luzern bringt dich ein Kursschiff der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees vorbei an der Rütliwiese und dem Urnersee nach Flüelen. Dort wartet der Anschlusszug, der über Erstfeld und Wassen die historische Panoramastrecke hinaufklettert.

Wer am Fenster sitzt, sieht die Kirche von Wassen durch die Kehrtunnel mehrfach aus unterschiedlicher Höhe, ein Effekt, der eindrücklich zeigt, wie viel Steigung die alte Gotthardbahn mit Schleifen statt mit Geschwindigkeit überwindet. Weiter geht es über Göschenen durch den alten Gotthardtunnel nach Airolo und hinunter ins Tessin.

Der Unterschied zwischen den beiden Angeboten liegt vor allem im Wagenmaterial und im Zielort: Der Wilhelm Tell Express fährt mit modernen Panoramawagen bis Lugano, der Gotthard Panorama Express endet je nach Saisonplanung teils schon in Bellinzona. Für beide gilt, dass die Schifffahrt deutlich länger dauert als die direkte Zugstrecke durch den Gotthard-Basistunnel. Wer nur schnell ins Tessin will, ist mit dem Basistunnel-Zug besser bedient, wer die Fahrt als Erlebnis versteht, nimmt sich für Schiff und Bergstrecke bewusst einen ganzen Tag Zeit.

Centovalli-Bahn: Durch das Tessiner Hinterland nach Italien

Die Schmalspurbahn, auf italienischer Seite als Vigezzina bekannt, verlässt Locarno Richtung Westen und schraubt sich durch das Centovalli, ein von Kastanienwäldern geprägtes Tal mit Steindörfern wie Intragna und Verscio. Die Strecke überquert zahlreiche Viadukte und Schluchten, bevor sie die Grenze passiert und in Domodossola endet, von wo Anschlüsse ins Wallis über den Simplon bestehen.

Im Gegensatz zu den Hochalpenstrecken wirkt das Centovalli kleinteiliger und ruhiger, die Dörfer sind kaum touristisch erschlossen, was gerade ihren Reiz ausmacht. Wer unterwegs aussteigen will, findet in Intragna einen hübschen Dorfkern mit Kirchturm, der von der Bahn aus schon von weitem sichtbar ist.

Welche Strecke für wen passt

Wer Komfort und ein gastronomisches Erlebnis sucht, ist beim GoldenPass Express mit seinen Panoramawagen am besten aufgehoben, sollte dafür aber frühzeitig reservieren. Wer spontan reisen und kein Geld für Zuschläge ausgeben will, nimmt den Voralpen-Express oder den Luzern-Interlaken Express, beides normale Linienzüge mit aussergewöhnlicher Aussicht. Wer einen ganzen Tag investieren und Schiff mit Bahn kombinieren möchte, wählt den Gotthard Panorama Express oder den Wilhelm Tell Express. Und wer abseits der grossen Pässe unterwegs sein will, findet im Centovalli eine der stillsten Panoramastrecken des Landes.

Ein typischer Fehler ist es, alle diese Strecken wie den Glacier Express zu behandeln und zu glauben, man müsse Monate im Voraus planen. Mit Ausnahme der reservierungspflichtigen Panoramawagen beim GoldenPass Express lassen sich die meisten dieser Routen mit dem gewohnten Halbtax-Abo oder Generalabonnement und ganz ohne Vorlauf bereisen, was sie zur deutlich entspannteren Alternative macht.

Touren und Aktivitäten vor Ort

Führungen, Bergbahnen und Erlebnisse rund um GoldenPass Express Schweiz lassen sich vorab buchen. Angebote ansehen

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