Seen & Flüsse

Aareschlucht bei Meiringen: Steg durch den Felsen

31. August 2026 · Seen & Flüsse

Wo der Fels sich teilt und die Aare durchbricht

Zwischen Meiringen und Innertkirchen liegt ein schmaler Kalksteinriegel namens Kirchet, der dem Haslital eigentlich im Weg steht. Über sehr lange Zeit hat sich die Aare durch dieses Gestein gegraben und dabei eine enge, hohe Schlucht geschaffen, deren Wände sich an manchen Stellen fast berühren und weit über die Köpfe der Besucher hinaufragen. Dort, wo früher kein Weg hindurchführte, liegt heute ein Steg aus Holz und Metall, der in den Fels gebohrt ist und teilweise durch kurze Tunnelabschnitte und Nischen in der Wand verläuft. Nicht ein Aussichtspunkt von oben, sondern genau dieser Weg mitten durch den Fels macht die Aareschlucht zu einem der eindrücklichsten begehbaren Naturschauspiele im Berner Oberland.

Der Steg als eigentliche Attraktion

Der Weg durch die Schlucht ist kein gewöhnlicher Spazierweg. Er führt grösstenteils über Holzbohlen, die direkt in den Fels verankert sind, wechselt sich mit kurzen, dunklen Tunnelstücken ab und passiert Stellen, an denen das türkisgrüne Wasser der Aare nur eine Armlänge entfernt an den Wänden vorbeischiesst. An den engsten Punkten reicht es fast, um mit ausgestreckten Armen beide Felswände gleichzeitig zu berühren. Wer zum ersten Mal hindurchgeht, unterschätzt meist zwei Dinge: wie laut das Wasser in der Enge tost, und wie kühl die Luft selbst an heissen Sommertagen zwischen den Felswänden bleibt. Eine leichte Jacke lohnt sich deshalb auch im Hochsommer, weil kaum Sonne in die Schlucht fällt und die feuchten Felswände die Temperatur spürbar drücken.

Zwei Eingänge, zwei Arten, die Schlucht zu erleben

Die Aareschlucht hat zwei Zugänge, einen westlichen bei Willigen nahe Meiringen und einen östlichen bei Innertkirchen. Viele Tagesgäste starten in Meiringen und laufen in Richtung Innertkirchen, weil sich von dort mit dem Postauto oder zu Fuss unkompliziert zurück nach Meiringen finden lässt. Der umgekehrte Weg funktioniert genauso gut. Wer die Schlucht nicht komplett durchqueren will, kann auch nur ein Stück hineingehen und beim selben Eingang wieder umkehren. Das reduziert die reine Gehzeit deutlich, kostet dich aber die eindrücklichsten Passagen im hinteren Teil, die aus meiner Erfahrung zu den spektakulärsten der ganzen Schlucht gehören.

Anreise ohne eigenes Fahrzeug

Meiringen liegt an der Bahnlinie der Zentralbahn und ist von Interlaken Ost sowie von Luzern aus gut mit dem Zug erreichbar, ebenso von Brienz her mit der Brünigbahn. Vom Bahnhof Meiringen aus lässt sich der westliche Eingang bei Willigen zu Fuss in einem überschaubaren Spaziergang erreichen. Alternativ verkehrt ein Postauto in Richtung Innertkirchen, das an einer Haltestelle nahe der Schlucht hält. Wer zuerst den östlichen Eingang ansteuern möchte, fährt mit dem Postauto bis Innertkirchen und läuft von dort in wenigen Minuten zum Eingang. Diese Kombination aus Zug bis Meiringen und kurzem Fussweg oder Postauto ist die unkomplizierteste Variante ohne eigenes Auto.

Anreise mit dem Auto

Mit dem Auto erreichst du Meiringen über die durch das Berner Oberland führende Hauptverbindung von Interlaken her, die bei Meiringen in die Strasse Richtung Grimselpass und Innertkirchen übergeht. Sowohl beim westlichen Eingang in Willigen als auch beim östlichen Eingang in Innertkirchen gibt es Parkmöglichkeiten. Du kannst also an einem Ende starten, durch die Schlucht laufen und mit dem Postauto oder zu Fuss zum Auto zurückkehren, oder die Schlucht als Hin- und Rückweg am selben Eingang begehen.

Beste Jahreszeit und Wassermenge

Die Aareschlucht ist saisonal geöffnet, üblicherweise von den ersten warmen Frühlingswochen bis in den späteren Herbst hinein. Im Winter bleibt sie wegen Eis- und Steinschlaggefahr an den Felswänden geschlossen. Am eindrücklichsten ist sie im späten Frühling und frühen Sommer, wenn die Schneeschmelze aus dem Haslital die Aare kräftig anschwellen lässt und das Wasser mit deutlich mehr Wucht durch die Engstellen drückt als im ausgetrockneten Spätsommer. Wer die Schlucht ruhiger und mit weniger Gischt erleben möchte, ist im September gut bedient, wenn die Wassermenge spürbar geringer ist und die Stege zwischen den Schauern schneller abtrocknen.

Wann es voll wird

Die Aareschlucht liegt nahe einer der meistbesuchten Ferienregionen der Schweiz, entsprechend füllen sich die schmalen Stege an schönen Sommertagen, besonders am späten Vormittag und frühen Nachmittag, wenn Tagesausflügler aus Interlaken und Reisegruppen gleichzeitig unterwegs sind. Auf den engen Passagen bildet sich dann leicht eine Kolonne, weil Überholen kaum möglich ist. Wer die Schlucht möglichst für sich haben will, startet am besten gleich bei Öffnung am Morgen oder kommt erst gegen späten Nachmittag, wenn die grossen Gruppen bereits durch sind. An Wochenenden mit stabilem Wetter ist die Situation naturgemäss angespannter als an einem gewöhnlichen Werktag.

Was überschätzt wird und was wirklich zählt

Viele Besucher erwarten von der Aareschlucht eine anspruchsvolle Wanderung mit nennenswertem Höhenunterschied. Tatsächlich ist der Steg fast durchgehend eben und technisch einfach zu begehen, festes Schuhwerk reicht völlig, spezielle Bergausrüstung braucht es nicht. Unterschätzt wird dagegen oft, wie viel Zeit man sich für die eigentlichen Höhepunkte nehmen sollte. Wer nur durchhastet, um möglichst schnell am anderen Ende zu sein, verpasst die Momente, in denen sich die Wände am engsten zusammenziehen und das Licht nur noch als schmaler Streifen von oben hereinfällt. Es lohnt sich, an den schönsten Stellen kurz stehen zu bleiben, auch wenn hinter dir schon die nächste Gruppe wartet.

Überschätzt wird gelegentlich auch die reine Länge der Schlucht als Grund für einen Besuch. Nicht die Distanz macht die Aareschlucht besonders, sondern die Enge, das Licht, das Rauschen und die Tatsache, dass der Weg selbst technisch beeindruckend gebaut ist. Wer mit der Erwartung einer langen Wanderung kommt, wird enttäuscht, wer die Schlucht als kompaktes, intensives Naturerlebnis versteht, bekommt genau das, was sie verspricht.

Kombination mit der Umgebung

Meiringen selbst bietet sich als Ausgangs- oder Endpunkt eines Ausflugs an, der über die Aareschlucht hinausgeht. Von hier aus lassen sich weitere Ziele im Haslital erreichen, etwa Richtung Reichenbachfall oder weiter hinauf ins Gebiet um den Grimselpass. Wer einen ganzen Tag einplant, kann die Schlucht am Vormittag durchqueren und den Nachmittag für eine der umliegenden Wanderungen oder für Meiringen selbst reservieren, das mit seinem historischen Ortskern und der Nähe zu den Bahnlinien eine gute Basis für die Region bildet.

Touren und Aktivitäten vor Ort

Führungen, Bergbahnen und Erlebnisse rund um Aareschlucht Meiringen lassen sich vorab buchen. Angebote ansehen

Dieser Abschnitt enthält Partnerlinks. Kaufst du darüber, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

@switzerland.scenic
Folge uns für tägliche Geheimtipps & die schönsten Orte der Schweiz
Auf Instagram folgen